„Wo so viele Fragen sind, müssen Antworten her.“

Elmar Paulke ist seit vielen Jahren Kommentator bei Sport1. Tennis kommentiert er dort seit 1998, Darts seit der Weltmeisterschaft 2005. Im November 2011 veröffentlichte Paulke ein Darts-Buch für den deutschsprachigen Markt. Wir haben mit der „Stimme des Darts“ unter anderem über Tennisprofi Tommy Haas und die Entwicklung der Sportart Darts im Deutschland gesprochen.

Hallo Elmar, danke für deine Zeit. Zum Einstieg eine leichtere Frage: Wie bist du eigentlich Kommentator geworden? War das dein Traumberuf?

Ja, davon habe ich wirklich während meines Studiums geträumt. Und dann durfte ich relativ schnell ran. 1998 erhielt ich  die Festanstellung beim DSF, und war zunächst Beitrags- bzw. Filmemacher. Im gleichen Jahr durfte ich auch zur Probe kommentieren und 1999 haben sie mich dann zum ersten Mal beim Tennis-Challenger-Turnier von Braunschweig rangelassen. Darts kam im Jahr 2005 dazu. Die Entwicklung von Darts hätte damals ja niemand erahnt, ich auch nicht. Inzwischen gehört es fest zu meiner Tätigkeit bei SPORT1.

Darts und Tennis sind eigentlich zwei völlig verschiedene Sportarten. Wie passt das zusammen?

Tennis und Darts sind auf den ersten Blick vielleicht unterschiedlich, haben aber in der Tat Schnittmengen. Alleine schon vom Vokabular her: ein Match wird gespielt, es gibt Matchdarts, es gelingen Breaks, etc. Bei beiden Sportarten ist es ein Kampf eins gegen eins. Beide Spiele werden vor allem im Kopf entschieden. Darts ist ja nicht bezüglich seiner Athletik Sport, sondern im mentalen Bereich. Und da entstehen Situationen, die auch gut vergleichbar mit denen auf einem Tennisplatz sind.

Spielst du denn lieber selbst Tennis oder Darts oder kommentierst du lieber?

Ich spiele in den letzten Jahren leider viel zu wenig Tennis und auch Darts. Wir haben drei kleine Kinder zu Hause, die viel Freude bereiten, aber auch zeitintensiv sind. Also, kommentiere ich zurzeit wohl lieber als ich selber aktiv bin. Ich jogge regelmäßig, weil ich das wenigstens viel spontaner verwirklichen kann und keinen Partner benötige. Sobald ich also merke, jetzt habe ich eine Stunde Zeit, geht es ab in den Wald.

Tommy Haas spielt mit mittlerweile 35 Jahren nach etlichen Verletzungen in seiner Karriere plötzlich wieder groß auf. Wie kannst du dir das erklären?

Tommy hat ja in den letzten Jahren immer wieder gezeigt, wie schnell er zurück in die Weltspitze kommen kann. Er ist bestimmt einer der talentiertesten Spieler auf der Tour. Haas hat in jüngeren Jahren sein Potential leider viel zu selten entfalten können. Ich glaube, er hat häufig nicht die richtigen Leute um sich gehabt, war oft schlecht beraten, hat sich viel zu wenige Gedanken darüber gemacht, was wichtig ist, um auch den letzten Schritt gehen zu können. Jetzt ist er 35 Jahre alt, weiß, dass er dieses Leben vielleicht noch zwei, drei Jahre leben darf. Er genießt. Er weiß viel besser, was für ihn wichtig ist und lebt das Profidasein viel bewusster. Er weiß, dass er jetzt zupacken muss, weil er große Chancen nicht mehr häufig erhalten wird. Und in der Tat, er packt zu und spielt großartig seit Mitte letzten Jahres.

Was muss alles an den aktuellen Strukturen im Deutschen Tennis Bund verändert werden?

Wenn man sich erfolgreiche Nationen wie Spanien, Frankreich oder Argentinien anschaut, verfolgen sie alle eine zentrale Förderung. Und das seit Jahren. Die Nachwuchsarbeit beim DTB war ja lange Zeit eine Sache der Verbände. Die Verbände haben häufig nur an sich gedacht und nicht im Sinne des DTB gehandelt. Inzwischen gibt  es drei große Leistungszentren. Das ist mit Sicherheit eine positive Veränderung. Doch schaut man auf die letzten Jahre, hat letztendlich nur der Bayerische Tennisverband erfolgreich gearbeitet und große Talente wie Kohlschreiber, Mayer und Petzschner bis in die Weltspitze geführt. Ich bin gespannt, was da in den nächsten fünf Jahren passieren wird.

Michael van Gerwen ist im Dartsport der große Durchstarter seit der letzten WM. Kann er ähnlich erfolgreich wie Phil Taylor werden?

So spektakulär Van Gerwen jetzt seit rund einem Jahr spielt, kann man ihn noch lange nicht mit Taylor gleichsetzen. Der Kerl ist noch nicht mal Weltmeister. Phil Taylor zeichnet  vor allem  seine atemberaubende Konstanz in den letzten 25 Jahren aus. Davon ist Migty Mike noch weit, weit entfernt. Man sieht an Spielern wie Adrian Lewis, wie schwer es ist, über einen Zeitraum von vielen Jahren erfolgreich Darts im Profiverband zu spielen.

Adrian Lewis hatte in den letzten Monaten eine Menge Probleme mit seinem Spiel und  Management. Wird Lewis in den nächsten Jahren trotzdem noch einmal an überragenden Leistungen von 2011 und 2012, als er Weltmeister geworden ist, anknüpfen können?

Adrian Lewis wird  zurückkommen, da bin ich mir sicher. Er ist ein großes Talent. Vielleicht nicht der größte Arbeiter, deshalb wird Lewis immer ein Spieler mit größeren Leistungs-Schwankungen sein. Wenn er sein Top- Niveau spielt, kann er jedoch jeden schlagen.

Ist es hilfreich für dich einen aktiven Spieler an der Seite zu haben, um den Zuschauern, denen Darts nicht vertraut ist, die Sportart näher zu bringen?

Gerade beim Darts kommentiere ich sehr gerne zu zweit. Denn Darts ist ja nicht nur Sport, sondern es ist auch Unterhaltung. Darts ist auch schräg und das kann man zu zweit leichter transportieren. Außerdem macht die Aufteilung natürlich auch Sinn, da der Experte sich vor allem auf die Rechenwege aufpassen kann.

Wie siehst du die Entwicklung von Darts im deutschen Fernsehen? Wird sich die Sportart hierzulande in Zukunft genauso wie in England und den Niederlanden etablieren können?

Die Entwicklung von Darts verläuft hier wunderbar. Wo war Darts  denn vor der ersten Weltmeisterschaft, die 2005 auf DSF übertragen wurde. In den letzten Jahren kommen rund 80.000 Fans zu den Turnieren hier zu Lande, die ja größtenteils gar nicht im Fernsehen übertragen werden. Wir haben jetzt schon Quoten mit über eine Million Zuschauer in der Spitze. Und das sogar ohne Beteiligung von deutschen Topspielern. Sportarten wie Tennis, Formel1, und Skispringen haben gezeigt, wie wichtig ein nationaler Held ist. Der fehlt uns noch. Wenn wir einen deutschen Spieler haben, der es ernsthaft mit Phil Taylor aufnehmen kann, werden auch die Quoten noch mal einen Sprung machen. Da bin ich mir ziemlich sicher.

Würde ein erfolgreicher deutscher Darts-Spieler der Sportart einen enormen Aufschwung verschaffen?

Es gibt bislang keine echten deutschen Profis, weil bislang die Sponsoren, also Geld fehlt. Spieler benötigen Geld, um regelmäßig nach England zu reisen, um all die Profi-Turniere zu spielen. Nur wer regelmäßig gegen die Topstars spielt, hat die Möglichkeit sie auch irgendwann bezwingen zu können. Der DDV hat es seit Bestehen Anfang der 80er Jahre einfach versäumt, Strukturen zu schaffen, um den Nachwuchs erfolgreich zu fördern. Talente gab es immer wieder, aber sie wurden nie gefördert. Mal sehen, was der 16-jährige Max Hopp in den nächsten Jahren reißen wird. Max war der zweitjüngste Teilnehmer aller Zeiten bei einer WM. In England sind sie begeistert von ihm. Er könnte einer werden. Aber gewonnen hat er bislang dennoch nichts Großes.

Mit der Social Media Einbindung in eure Darts-Sendungen wart ihr einer der Vorreiter im deutschen TV. Wer kam auf diese Idee?

Ich hatte damals die Idee. Wenn du eine Sportart einführst, hast du vor allem Zuschauer, die sich nicht auskennen. Wir wollten ihnen damit die Möglichkeit geben, Fragen zu stellen. Und außerdem war ich in der Anfangszeit froh, dass dadurch auch immer wieder neue Themen entstanden. Wir haben bei der letzten WM 62 Stunden live übertragen. Da hast du schon Zeit, verschiedenste Themen aufzugreifen.

Wie wird sich die Einbindung der Zuschauer noch weiterentwickeln?

Das wird  sich garantiert noch viel weiter entwickeln. Eine große Anzahl an Möglichkeiten  werden bisher gar nicht genutzt. Auch von uns nicht. Ich halte es für einen sehr geeigneten Weg, um  die Zuschauer zu binden.

Bist du durch die Tätigkeit als Kommentator auch auf die Idee gekommen ein Buch mit allen wichtigen Infos über Darts für den deutschen Markt herauszugeben?

Die Idee entstand mit unserer Mail-In-Aktion während unserer Sendung. Wir bekommen am Abend bis zu 3000, 4000 Emails. Wo so viele Fragen sind, müssen Antworten her. Und warum nicht in Form eines Buchs. Und da es letztlich kein Buch über den Profi-Darts-Sport gab, haben Tobias Drews und ich die Idee umgesetzt. Und wir planen auch schon ein  weiteres Buchprojekt. Wie es aussieht, werden wir im September 2013 ein weiteres Darts-Buch auf den Markt bringen.

Hast du eigentlich ein Lieblings-Darts- beziehungsweise ein Lieblings-Tennis-Turnier? Wo ist die Stimmung besser?

Tennis- und Darts-Turniere sind nur sehr schwer zu vergleichen. Die Stimmung bei Darts-Turniere ist sensationell. Da kann Tennis nicht mithalten, muss es aber auch nicht. Ich werde oft gefragt, kommentierst du lieber Tennis oder Darts. Ich bin froh, dass ich mich da nicht entscheiden muss. Beides mache ich sehr, sehr gerne. Sich zwischen Wimbledon und dem Alexandra Palace zu entscheiden, funktioniert irgendwie nicht. 

——————————————————————————————————————————-

Erstveröffentlichung: 27.06.2013 – SYNC

Advertisements

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s